zimmerer
Handwerkskammer Konstanz

Auf Wanderschaft

Zwei Zimmerergesellen erklären die Bräuche auf der Walz

Kein anderes Handwerk zelebriert die Wanderschaft so wie das Zimmererhandwerk. Die Gesellen Martin Baur und Alexander Bitzer waren in der Handwerkskammer Konstanz zu Gast und haben uns einen Einblick in ihr Brauchtum offenbart.

Rahmenbedingungen:

Martin Baur: „Wenn man auf Wanderschaft gehen möchte, muss man einen Gesellenbrief gemacht haben in einem traditionellen Handwerksberuf. Traditionelle Handwerksberufe gibt es über 30 Stück, das wissen nur die wenigsten. Dann kann man generell auf Wanderschaft gehen. Es gibt dann einzelne Gesellenvereinigungen, in denen man reisen kann. Zum Beispiel reise ich derzeit im Rolandschacht, da kann das Bauhauptgewerbe reisen. Es gibt aber noch sechs oder sieben andere. Wenn man dann den Gesellenbrief gemacht hat, kann man für drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft gehen.“

Kleidung:

Alexander Bitzer: „Wenn wir unterwegs sind, tragen wir unsere saubere Kluft, bestehend aus Jackett, Weste und Hose. Dabei haben wir noch eine komplette Kluft zum Arbeiten, die dreckig werden darf. Wir tragen außerdem einen Schlafsack und Wechselwäsche mit uns. Da wir im Rolandschacht reisen, tragen wir unsere blaue Ehrbarkeit. Das zeichnet uns als Rolandsbrüder aus. Unsere acht Knöpfe an der Weste bedeuten acht Stunden Arbeit am Tag. Unsere sechs Knöpfe am Jackett bedeuten sechs Tage die Woche arbeiten. Und dann haben wir noch links und rechts am Jackett drei Knöpfe für drei Jahre Ausbildung und drei Jahre Wanderschaft.“

Ablauf:

Martin Baur: „Man arbeitet eine Zeit lang, so zwischen sechs und zwölf Wochen. Es kann aber auch mal länger sein. Dann gibt es aber auch eine Zeit, in der man reist. Da schaut man sich die Welt an. So findet das im Wechsel statt. Bei uns heißt es auch ‚Wir reisen, um zu arbeiten und wir arbeiten, um zu reisen.‘“

Entbehrungen:

Martin Baur: „Man schätzt auf jeden Fall die kleinen Dinge wie eine normale Dusche, ein Sofa oder ein Bett. Es gleicht sich aber dann durch andere schöne Momente aus."

Entwicklung:

Martin Baur: „Als junge Person entwickelt man sich extrem weiter, menschlich auf jeden Fall, beruflich auch. Man verfeinert sein Handwerk. Kulturell sieht man auch extrem viel.“

Alexander Bitzer: „Jeder Meister, bei dem wir arbeiten, zeigt uns andere Tricks. So lernt man einfach viel weiter.“

Highlights:

Alexander Bitzer: „Direkte Highlights gibt es nicht. Jeder Tag ist ein Highlight. Man lernt jeden Tag etwas Neues kennen und freut sich dann darüber, es kennengelernt zu haben.“