Fotos aus den Instagram-Accounts von Bäckermeister Link, Friseurmeisterin Lena Ammelounx, Schreinerei Sandmann und Fluck Holzbau.
Handwerkskammer Konstanz
Sympathisch und kompetent: Bei Instagram können sich Handwerksbetriebe zeigen, wie sie sind. Von links nach rechts: Bäckermeister Link, Friseurmeisterin Lena Ammelounx, Schreinerei Sandmann und Fluck Holzbau.

Alles auf Instagram

Ob Nachwuchsgewinnung, Kundenbindung oder Produktmarketing - alles ist möglich

Früher lagen im Salon von Familie Jetter stapelweise dicke Frisurenkataloge. Heute dient das Instagram-Profil des Betriebs als digitales Portfolio. „Dadurch haben viele meiner Kunden schon beim Betreten des Salons eine genaue Vorstellung darüber, welche Frisur es werden soll“, erzählt Lena Ammelounx. Die 27-jährige Friseurmeisterin betreibt gemeinsam mit ihrem Vater einen Salon in der Radolfzeller Innenstadt. Als sie 2018 als Geschäftsführerin in das Familienunternehmen einstieg, richtete sie noch im gleichen Monat einen Businessaccount für den Salon auf Instagram ein. Dort teilt sie etwa dreimal pro Woche ein Foto ihrer Arbeit. „Mittlerweile erinnern mich meine Kunden schon daran, die Vorher-Nachher-Aufnahmen nicht zu vergessen“, sagt Lena Ammelounx lachend. Für die Veröffentlichung der Bilder lässt sie sich von den Kunden schriftlich das Einverständnis geben.

Digitales Portfolio

Durch das Posten der Frisuren hat die Friseurmeisterin schon zahlreiche Neukunden gewonnen. Oftmals sind es Freunde der Kunden, die das Foto bei Instagram entdecken – oder über die App zufällig auf das Können von Lena Ammelounx aufmerksam werden.

„Instagram bedeutet für mich aber nicht nur Marketing, sondern auch Kundenbindung“, sagt Lena Ammelounx. So nutzt sie die Online-Plattform beispielsweise auch dafür, ihre Kunden am Vortag an die Termine zu erinnern. Das kostet Zeit. Mindestens eine Stunde am Tag kommuniziert die Geschäftsführerin über Instagram mit Kunden, postet neue Fotos oder lädt Stories hoch. „Mir ist es wichtig, das Ganze mit Herz zu machen“, sagt sie, „da rückt der Zeitaufwand schnell in den Hintergrund, schließlich macht mir Instagram einfach Spaß.“

Emotionale Botschaften

Online-Marketing-Expertin Melissa Vieth von der Agentur Schanze und Horn weiß, weshalb der Friseursalon Jetter mit seinem Account bei Instagram so erfolgreich ist: „Die App funktioniert fast ausschließlich über Bilder und diese transportieren ihre Botschaft natürlich ganz unmittelbar“, sagt sie. Das könne sowohl handwerkliches Geschick sein, das sich beispielsweise in einer Frisur niederschlage, als auch emotionale Botschaften, wie etwa das Foto eines sympathischen Teams. „Handwerksbetriebe können auf Instagram ihre Produkte und Dienstleistungen in Szene setzen und sich gleichzeitig als attraktiver Arbeitgeber präsentieren“, so Vieth.

Dass dies funktioniert, zeigt sich am Beispiel der Schreinerei Sandmann in Konstanz. Seit Denise Kraus Ende vergangenen Jahres einen Instagram-Account für den Betrieb ins Leben gerufen hat, reißt der Strom an Bewerbungen für Lehrstellen und Praktika nicht ab. „Teil unseres Instagram-Konzeptes ist es, Gesicht zu zeigen“, erzählt Kraus, die sich im Unternehmen um Buchhaltung, Rechnungswesen und Marketing kümmert. „Wir posten gerne Fotos unserer Mitarbeiter. Gerade bei den Auszubildenden merken wir, dass sie das sehr stolz macht und die Identifikation mit unserem Betrieb stärkt“, sagt Kraus. Gleichzeitig werden auf diesem Weg viele Freunde der Auszubildenden auf die Schreinerei als potenziellen Arbeitgeber aufmerksam.

Kundenanfragen nach Posting

Neben Personalbildern postet Denise Kraus mindestens einmal pro Woche auch Fotos von Einbauschränken oder Regalen. „Die kommen immer extrem gut an“, weiß sie. Häufig erreichen die Schreinerei in Folge eines Postings auch Anfragen von Kunden, die dann genau solche Schränke bei sich wünschen.

Doch Instagram muss nicht ausschließlich aktiv genutzt werden. Daniel Link, Obermeister der Bäcker-Innung Tuttlingen-Rottweil, sieht einen weiteren Vorteil in der Marktbeobachtung. „Über die App habe ich meine Kollegen in ganz Deutschland im Blick“, sagt er. Regelmäßig hole er sich darüber neue Inspiration und sammle Ideen für neue Produkte und Aktionen.

Aufgrund des Zeitaufwands ist Daniel Link selbst weniger aktiv auf Instagram, als er es gerne wäre. Aber das will er auch bald wieder ändern, denn: „Instagram kostet ja nichts, man muss einfach nur machen.“

Post-Plan erstellen

Online-Marketing-Expertin Melissa Vieth empfiehlt Handwerksbetrieben, einen Post-Plan zu erstellen. „Wer sich einmal im Monat hinsetzt und mögliche Themen fixiert, hat ein gutes Gerüst“, sagt sie. Denn um viele Follower an sich zu binden und eine hohe Resonanz zu erzielen, komme es auf regelmäßige Posts und Stories an. Aber auch qualitativ hochwertige Bilder und Videos, abwechselnde Themen und Mehrwert für den Nutzer seien entscheidend.

Saskia Struck von Holzbau Fluck setzt bei Instagram auf einen Wochenplan. „Montags notiere ich mir, welche Themen anstehen und wie ich diese umsetzen kann“, erzählt Struck, die sich neben ihrer Tätigkeit als Assistenz der Geschäftsleitung auch um das Marketing kümmert. Über Instagram erreicht das Bauunternehmen vor allem junge Bauherren. „Ich setze die Hashtags gezielt ein, um in den Inspirationen aufzutauchen“, erläutert Struck. Aber auch bei der Rekrutierung neuer Auszubildender spiele Instagram mittlerweile eine große Rolle: „Fast alle Bewerber folgen uns vorab schon bei Instagram.“ Das liege auch an der Strategie, das Unternehmen bei Instagram möglichst authentisch abzubilden.

Um mit Authentizität zu punkten, eigenen sich beispielsweise Selfies von Mitarbeitern oder Schnappschüsse des Teams bei der Arbeit. Wer offenkundig Freude an der Arbeit hat, ist schließlich die beste Werbung für ein Unternehmen.