Konjunktur
I. Handwerkskonjunktur Baden-Württemberg
Die deutsche Wirtschaft hat am Jahresende 2012 eine Schwächephase erlitten, die allerdings nicht überraschend kam. Viele Handelspartner in der Eurozone sind von einer anhaltenden und hartnäckigen Wirtschaftskrise betroffen. Als Exportnation konnte sich die deutsche Volkswirtschaft diesen Entwicklungen nicht entziehen. Entsprechend schrumpfte im Schlussquartal 2012 das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Hoffnungen sind aber groß, dass die Wachstumskräfte intakt bleiben und die Konjunkturdelle im Verlauf dieses Jahres überwunden werden kann. So erwartet die EU-Kommission für Deutschland ein Wachstumsplus von 0,5 Prozent für 2013. Die vergleichsweise optimistischen Aussichten werden gestützt von einer nachhaltigen Konjunkturerholung in den USA und kräftigen Wachstumsraten in Asien. Von diesen außenwirtschaftlichen Faktoren wird auch die hiesige Wirtschaft profitieren können. Deutschland dürfte damit auch im laufenden Jahr die Wachstumslokomotive Europas bleiben. Gefahr für die Konjunktur droht weiterhin aus dem Inneren der Eurozone. Die Schuldenkrise und die damit verbundenen Konsolidierungsmaßnahmen schränken in den Euroländern die Wachstumsdynamik deutlich ein – mit entsprechenden Folgen für die deutsche Exportwirtschaft.
Die Handwerkskonjunktur in Baden-Württemberg zeigte sich – gestützt auf eine breite Basis – zu Beginn des Jahres robust und stabil. Ein Wachstumseinbruch über den Jahreswechsel 2012/13 blieb aus. Allerdings setzten sich die leichten Abschwächungstendenzen fort. Der BWHT-Konjunkturindikator blieb unter seinem Vorjahresstand.

II. Geschäftsentwicklung
Die konjunkturelle Entwicklung des Handwerks in der Region Konstanz hat einen deutlichen Dämpfer bekommen. Gaben im Vorjahresquartal noch 66,2 Prozent der befragten Handwerksbetriebe ihrer aktuellen Geschäftslage die Note gut, so sind es fürs erste Quartal 2013 nur noch 52,8 Prozent. Die Differenz zwischen den Werten des Vergleichszeitraums ist bei den Unternehmen, die schlechte Noten für ihre Geschäftslage vergeben, zwar nicht derartig groß, aber dennoch mit einem Anstieg von 4,2 auf 7,6 Prozent der befragten Unternehmen recht deutlich. Der Saldo der Geschäftslage, der aus den positiven und negativen Bewertungen der Geschäftslage gebildet wird, sank von plus 62,0 Punkten im Vorjahresquartal auf plus 45,2 Punkte.

Ihre Geschäftserwartungen haben die Konstanzer Handwerksunternehmen binnen Jahresfrist kräftig heruntergeschraubt. Gaben Anfang 2012 noch vier von fünf Betrieben (80,7 Prozent) gute Noten für ihre Geschäftserwartungen, so sind es aktuell nur noch drei von fünf Betrieben (59,4 Prozent). Als schlecht bezeichneten vor einem Jahr 1,9 Prozent der Befragten ihre Geschäftsaussichten – mittlerweile sind 3,0 Prozent dieser Meinung. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungsmeldungen liegt für das erste Quartal 2013 bei plus 56,4 Punkten (Vorjahr: 78,7 Punkte).

III. Auftragslage
Die Auftragslage im Kammerbezirk Konstanz hat sich binnen Jahresfrist insgesamt gesehen nicht verbessert. Berichtete im ersten Quartal 2012 lediglich gut jeder vierte Betrieb (28,0 Prozent) von gestiegenen Auftragseingängen, so war es im ersten Quartal dieses Jahres bereits jeder dritte Betrieb (34,5 Prozent), der sich über vollere Auftragsbücher freuen konnte. Die Situation der befragten Handwerksunternehmen, die Auftragseinbußen hinnehmen mussten, hat sich dagegen binnen Jahresfrist dramatisch verschlechtert. Vor einem Jahr musste nur jeder neunte Betrieb (10,7 Prozent) ein Auftragsminus verbuchen, im ersten Quartal 2013 war es bereits jeder vierte (26,1 Prozent). Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Aufträgen beträgt somit fürs erste Quartal 2013 immerhin noch plus 8,4 Prozentpunkte (Vorjahr: plus 17,3 Prozentpunkte).


Die Mehrheit der befragten Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Konstanz (50,6 Prozent) ist hinsichtlich der künftigen Auftragslage zuversichtlich. Im Vorjahr waren es dagegen lediglich 40,7 Prozent der Betriebe, die mit einem erhöhtem Auftragsvolumen rechneten. Auch die Zahl der Skeptiker hat sich verringert. Rechneten im Vergleichsquartal noch 8,9 Prozent der befragen Betriebe mit einem Auftragsminus, so waren es im ersten Quartal 2013 nur noch 6,8 Prozent.

IV. Betriebsauslastung
Die Kapazitätsauslastung in den Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Konstanz könnte besser sein. So konnten im ersten Quartal 2013 nur 39,6 Prozent der befragten Unternehmen ihre Kapazitäten voll ausschöpfen bzw. darüber hinaus arbeiten (Vorjahr: 45,3 Prozent). Erfreuliches lässt sich hier nur im oberen Segment (Auslastung über 100 Prozent) feststellen. Hier hat sich der Anteil der Firmen, die diese hohe Kapazitätsauslastung erreichten, von 3,3 Prozent im Vorjahr auf stolze 8,8 Prozent erhöht. Unterhalb ihrer Kapazitätsgrenzen haben im ersten Quartal 2013 60,5 Prozent der befragten Betriebe gearbeitet, im Vergleichsquartal waren es dagegen lediglich 54,7 Prozent).


V. Umsatzsituation
Die saisonbedingte Delle bei der Umsatzlage fällt im ersten Quartal 2013 besonders groß aus. Während 22,3 Prozent der befragten Handwerksunternehmen aus der Region Konstanz ein Umsatzplus im ersten Quartal verbuchen konnten (Vorjahr: 26,1 Prozent), verzeichneten 39,3 Prozent (Vorjahr: 31,4 Prozent) ein Umsatzminus. Damit liegt der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen derzeit bei minus 17,0 Prozentpunkten (Vorjahr: minus 5,3 Prozentpunkte). Landesweit gesehen steht der Kammerbezirk dennoch recht gut da. Für Baden-Württemberg ergibt sich ein Umsatzsaldo von minus 27,6 Prozentpunkten.
Die befragten Handwerksunternehmen schauen jedoch recht zuversicht-ich aufs kommende Quartal. Drei von fünf Handwerksbetrieben (58,8 Prozent) rechnen mit steigenden Umsätzen (Vorjahr: 53,2 Prozent). Der Anteil der Pessimisten hat sich erfreulicherweise verringert. Derzeit prognostizieren nur noch 8,1 Prozent der befragten Handwerksfirmen im Kammerbezirk Konstanz, dass ihre Umsätze im kommenden Quartal sinken werden. Im Vorjahresquartal betrug ihr Anteil noch 9,8 Prozent.



VI. Beschäftigte
Der Personalbedarf bei den Handwerksunternehmen in der Region Konstanz war im ersten Quartal 2013 insgesamt nicht sehr hoch. Zwar haben 11,3 Prozent der befragten Unternehmen neue Mitarbeiter eingestellt, doch haben sich gleichzeitig 10,1 Prozent von Personal getrennt. Der Saldo aus Einstellungen und Entlassungen beträgt daher fürs erste Quartal 2013 lediglich plus 1,2 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal schneidet der Bereich Neueinstellungen im ersten Quartal 2013 jedoch besser ab. So stellten Anfang 2012 lediglich 8,7 Prozent der Betriebe neue Mitarbeiter ein. Demgegenüber wurden aber auch nur bei 5,6 Prozent der Betriebe Arbeitsplätze gestrichen. Der Vorjahressaldo aus Einstellungen und Entlassungen beläuft sich daher auf plus 3,1 Prozentpunkte.

Die Personalplanung fürs anstehende Quartal fällt derzeit wesentlich zurückhaltender als noch vor einem Jahr aus. Aktuell planen 12,5 Prozent der befragten Betriebe, ihren Mitarbeiterstab zu vergrößern. Im Vorjahresquartal waren es noch 16,5 Prozent. Einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gab es auch bei den Firmen, die Mitarbeiter entlassen werden: von 3,5 auf 4,9 Prozent.

VII. Investitionen
Das Investitionsvolumen in der Region Konstanz ist immer noch recht hoch, wenngleich es sich zum Vorjahr leicht verringert hat. Nahezu 60 Prozent (59,9 Prozent) der befragten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Konstanz haben im ersten Quartal 2013 investiert. Im Vergleichsquartal betrug deren Anteil noch 62,4 Prozent. Dabei haben sich auch die Präferenzen verschoben. Haben im Vergleichsquartal lediglich 19,9 Prozent der Unternehmen ihr Investitionsvolumen erhöht, so waren es Anfang 2013 immerhin 22,7 Prozent. Der Anteil der Firmen, die ihr Investitionsbudget verkleinert haben, ist indes ebenfalls gestiegen. Von 14,8 im Vorjahresquartal auf 20,3 Prozent im ersten Quartal 2013.

Gemessen an der aktuellen Situation wollen die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Konstanz im kommenden Quartal bei den Investitionen noch einen drauflegen. So planen 64,9 Prozent der befragten Unternehmen, Investitionen zu tätigen. Im Vorjahresquartal betrug der Wert mit 65,2 Prozent nur unwesentlich mehr.

VIII. Die Gewerke im Einzelnen
Die Stimmung bei den Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Konstanz ist durchwachsen. Gute Noten für ihre aktuelle Geschäftlage vergeben der gewerbliche Bedarf sowie das Dienstleistungs- und das Bauhauptgewerbe. Die beiden Letztgenannten vergeben zudem als einzige Gewerke bessere Noten als im Vorjahresquartal. Die übrigen Branchen zeigen eher deutliche Stimmungseinbrüche. Besonders drastisch verlief binnen Jahresfrist die Entwicklung im Kfz-Gewerbe – von plus 46,7 Punkten im ersten Quartal 2012 auf derzeit plus 6,7 Punkte. Einen vergleichbaren Stimmungseinbruch gab es nur noch beim Ausbauhandwerk: von 82,6 Punkten auf 39,1 Punkte.

Die im Vergleich zum Vorjahr getrübte Stimmung setzt sich auch bei den Geschäftserwartungen fort. Wie schon bei der aktuellen Bewertung der Geschäftslage, sind das Bauhauptgewerbe und der Dienstleistungssektor die einzigen Branchen, die bessere Noten als im Vorjahresquartal vergeben. Die übrigen Gewerke haben ihre Geschäftserwartungen im Vergleich zum Vorjahresquartal mit seinen Spitzenwerten teilweise deutlich nach unten korrigiert. Die Prognosen des ersten Quartals 2013 sind dennoch insgesamt zufriedenstellend.
Das Handwerk in Baden-Württemberg
Zur Befragung
Im Rahmen eines Betriebspanel werden vierteljährlich 1.000 Handwerksbetriebe aus den acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Reutlingen, Region Stuttgart und Ulm per Telefoninterview befragt. Die Erhebung erfolgt jeweils in den letzten zwei Wochen des Quartals.




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