Glückliche Gesichter bei der Firma Ketterer in Pfohren: Birgitte Ketterer und Handwerksmeister Michael Amma freuen sich über die gute Zusammenarbeit mit ihrem Auszubildenden Juan Jose Tabuena Mejia (von links).
Handwerkskammer Konstanz
Glückliche Gesichter bei der Firma Ketterer in Pfohren: Birgitte Ketterer und Handwerksmeister Michael Amma freuen sich über die gute Zusammenarbeit mit ihrem Auszubildenden Juan Jose Tabuena Mejia (von links).

Halbzeit für spanische Auszubildende im Handwerk

Projekt-Bilanz von Beteiligten fällt positiv aus

Vor knapp zwei Jahren wagten sie den Schritt von Spanien ins deutsche Ausbildungssystem. Nun besuchte Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, gemeinsam mit Heinz-Rudi Link von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwarzwald-Baar-Heuberg einige der Teilnehmer des Projekts „Spanische Auszubildende für das Handwerk". Dieses hatten die beiden Institutionen 2014 gemeinsam mit der Arbeitsagentur u.a. aus Mitteln des europäischen Sozialfonds ins Leben gerufen.

Die Bilanz der Beteiligten fällt durchweg positiv aus, auch wenn es hier und da besondere Herausforderung an die Anlagenmechaniker (Sanitär-Heizung-Klima)-Auszubildende und Betriebe gibt, wie diese berichten.

Fa. Gläschig GmbH & Co. KG, Villingen

Seit rund ei

Handwerkspräsident Gotthard Reiner besucht spanische Azubis 8
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neinhalb Jahren arbeitet Pere Castellvell-Fabres aus Barcelona bei der Firma Gläschig und ist nach wie vor "motiviert bis in die Haarspitzen", wie Firmenchef Dirk Gläschig betont. Pere hebe das Niveau im Villinger SHK-Betrieb, setze eine Marke für die anderen Auszubildenden.

Für Dirk Gläschig ist der Katalone ein echter Glücksfall. „Uns bricht demnächst eine ganze Facharbeitergeneration weg, und auch die Azubis werden weniger.“ Noch hat Gläschig zwar ausreichend Bewerbungen auf dem Tisch liegen, aber das kann sich jederzeit ändern. Daher baut er vor. Neben ständigen Weiterbildungen und Lebenszeitkonten bietet das Unternehmen vor allem ein gutes Arbeitsklima im Betrieb, um Mitarbeiter nachhaltig zu binden. Die Teilnahme am Projekt "Spanische Auszubildende im Handwerk" oder auch Praktikumsplätze für Flüchtlinge – Gläschig beschäftigt jeweils mittwochs einen Praktikanten aus Eritrea – sind wichtige Mosaiksteine in der firmeneigenen Fachkräftestrategie.

Keine berufliche Chance in Spanien

Pere selbst ist glücklich über die Chancen in dem Multikulti-Unternehmen, das keine Berührungsängste kennt. Zwar sei die Ausbildungsvergütung kaum ausreichend, aber Pere denkt an die Zukunft. "Ich schaue immer nach vorne und will weiterkommen. Das ist mein Motor. Ich fühle mich eben da wohl, wo ich lachen und wo ich mein Leben weiterentwickeln kann."

In Spanien sieht er derzeit keine beruflichen Chancen. Zwar ist die Berufsschule für ihn aus sprachlichen Gründen noch schwierig, und beim Ausfüllen des Berichtshefts lässt er sich gerne von Kollegen helfen. Aber der Katalone beißt sich durch und sieht seine Zukunft langfristig in Deutschland. „Vielleicht gehe ich mit 65, wenn ich im Ruhestand bin, zurück in die Sonne.“

Fa. KHW Konzmann GmbH, Villingen

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Auch bei der Firma KHW Konzmann GmbH in Villingen freut man sich über das Engagement eines spanischen Auszubildenden. Wenn Geschäftsführer Gerhard Becker seinen Auszubildenden Carlos Gonzalez Mira charakterisiert, hört sich das mehr als positiv an: "Carlos ist sehr zuverlässig und bestens ins Team integriert. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut, in der Schule ist Carlos sogar besser als so mancher deutsche Kollege."

Carlos Gonzalez Mira hat schon in Spanien Ausbildung absolviert

Insgesamt hat die Firma KHW Konzmann 14 Auszubildende an sieben Standorten. Die Bewerbersuche sei unterschiedlich schwierig, je nachdem, wie viel Konkurrenz am jeweiligen Standort herrsche. Becker bemängelt, dass die Komplexität des Berufs des Anlagenmechanikers, der ja eigentlich aus drei Einzelberufen bestünde, wachse. "Kaum ein Geselle bringt direkt nach der Ausbildung schon das gesamte notwendige Wissen mit." Carlos Gonzalez Mira hatte bereits in Spanien eine wenn auch kurze Ausbildung absolviert, was für das Unternehmen von Vorteil war.

Azubi hat sich sozial integriert

Berührungsängste hat der 28-jährige Spanier auch außerhalb des Unternehmens nicht. Im letzten Jahr hat er in einem Stück des Theaters am Turm in Villingen eine kleine Rolle übernommen – er spielte einen Spanier. Ansonsten liebt er Volleyball oder geht mit seinem Hund spazieren. Die duale Ausbildung lobt er ausdrücklich für ihren hohen Praxisanteil, der ihm sehr viel leichter fällt als die Theorie in der Berufsschule "Ich finde es auch toll, dass man in Deutschland Geld fürs Lernen bekommt", so der Spanier. Becker allerdings gibt zu bedenken, dass die 800 Euro im Monat, die Carlos erhält, kaum zum Leben reichen. Hier müsse langfristig durch Zuschüsse nachgebessert werden.

Ing. A. Winkler GmbH & Co. KG, Schwenningen

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Ebenezer Antwi, vor vielen Jahren aus Ghana nach Spanien geflüchtet und jetzt in Ausbildung bei der Firma Ing. A. Winkler GmbH & Co. KG in Schwenningen, ist dankbar über die Chancen, die ihm das Unternehmen eröffnet hat. "Ich bin total zufrieden hier, habe schon viel gelernt und viele haben mir geholfen, mit Möbeln, einer Wohnung, oder auch beim Schreiben des Berichtshefts."

Doppelt schwierig ist für ihn allerdings die finanzielle Situation, denn er ist mit Familie nach Deutschland gekommen, für deren Auskommen er mit seinem Lehrlingsgehalt sorgen muss. Gleichzeitig gibt diese ihm Halt. Der 9-jährige Sohn geht in die vierte Klasse, hat viele Freunde und spricht mittlerweile schon sehr gut deutsch.

Gesellen möglichst bis zur Rente im Betrieb halten

Dass die Lehrjahre für Ebenezer keine Herrenjahre sind, weiß auch Clemens Maurer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. "Ich sage immer: Diese Phase musst du jetzt durchstehen, dann hast du was. Dann steht dir bei uns alles offen", so Maurer und fügt hinzu, dass das Unternehmen Winkler darauf abziele, nicht nur eine hochwertige Ausbildung in allen drei Fachrichtungen der Anlagenmechanik zu bieten, sondern die Gesellen auch möglichst bis zur Rente im Betrieb zu halten.

"Ebenezer ist ein Gewinn für uns"

Die Geschäftsführer Holger Ulrich und Walter Kolb loben Ebenezers Zuverlässigkeit und gute Laune. "Ebenezer ist ein Gewinn für uns. Durch ihn haben wir uns mehr Gedanken über die Ausbildung generell gemacht, haben Dinge neu überdacht", so Ulrich. Und Walter Kolb betont die Integrationskraft des Handwerks: "Es ist für uns einfach wichtig, dass die Mischung im Team stimmt. Handwerk ist schon immer gelebte Integration. Wir arbeiten hier erfolgreich Hand in Hand."

Roland Ketterer GmbH, Donaueschingen-Pfohren

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Juan-Jose Tabuena-Mejia ist erst 22, hat in Spanien in der IT-Branche gearbeitet und lässt sich nun bei der Fa. Roland Ketterer GmbH in Donaue-schingen-Pfohren zum Anlagenmechaniker SHK ausbilden. Anders als seine spanischen Kollegen liegt ihm der Theorieteil an der Berufsschule mehr als die Praxis, was mit seiner Vorbildung zu tun hat, und auch die deutsche Sprache geht ihm schon recht locker von den Lippen.

Betrieb nimmt Rücksicht auf Unterrichtszeiten

Nebenbei holt Juan derzeit die Fachhochschulreife nach. "Wir nehmen hier Rücksicht auf seine Unterrichtszeiten, wollen ihm das aber einfach ermöglichen", sagt Chefin Birgitte Ketterer, die nicht weiß, ob Juan langfristig auch als Geselle beim Unternehmen bleiben wird. "Die Garantie hat man letztlich nie. Aber wir bemühen uns immer, unseren Azubis etwas mitzugeben, freuen uns und sehen es als Bereicherung, wenn sie sich erfolgreich weiterentwickeln."

Durch seine Ausbildung habe sich im Betrieb einiges verändert: "Kommunikation ist noch viel wichtiger geworden. Durch die anfänglichen Sprachprobleme und auch den für Juan ungewohnten Dialekt ist es immer wieder zu Missverständnissen gekommen. Die mussten wir gemeinsam auflösen und diese regelmäßigen Gespräche waren ganz wichtig für uns alle."

Angenehmer Umgang im Team

Das Unternehmen ist hauptsächlich im Privatkundenbereich tätig und legt Wert auf einen guten Umgangston im Team, was ihnen von Kunden regelmäßig bescheinigt wird. Juan fügt sich hier gut ein, doch wie seine Zukunft aussehen wird, ist unklar. "Ich bin ein spontaner Mensch. Jetzt bringe ich erst einmal die Ausbildung fertig."

Das Heimweh hält sich bei dem Spanier bisher in Grenzen, hat er doch gleich zu Beginn seiner Ausbildungszeit im Internat seine jetzige Freundin kennengelernt. Diese stammt aus Andalusien und macht derzeit eine Ausbildung im Gastronomiebereich - im nahen Bad Dürrheim.

Hintergrund

Das Projekt "Spanische Auszubildende für das Handwerk" ist eingebettet in die Fachkräfteallianz Gewinnerregion und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, vom Bundesministerium für Arbeit und dem Schwarzwald-Baar-Kreis sowie der Sparkassen der Region gefördert. Die teilneh-menden Spanier werden bis 2018 eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär-Heizung-Klima in Handwerksbetrieben der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg absolvieren.

Mehr Informationen unter www.wirtschaftsfoerderung-sbh.de